Fluch der Karibik - Auf großer Fahrt

Per Segelyacht über den Atlantik

 
12Juni
2014

Faial - Sao Miguel - Lissabon - Madrid - Barcelona...

Heute 12.06.2014

... und jede Menge Fotos ... und jede Menge Storys.

Heute letzter Tag der Reise, in Barcelona. Habe wirklich versucht den Rückstand aufzuholen, aber grad das Sichten und Bearbeiten der Bilder braucht doch Zeit. Mein Grundsatz ist: Mache etwas ganz oder lass es bleiben... keine halben Sachen. Soll heißen, es gibt hier die besten Bilder und Erlebnisse, oder eben keine. Sofern morgen alles glatt läuft, werde ich deutschen Boden erreichen. Auch dort stehen bereits eine Reihe Events an. Nichtsdestotrotz werde ich den Blog dann von zuhause komplettieren. Ist zwar schade, weil live-mitverfolgen natürlich spannender ist aber ich sage mal, es lohnt sich. Gab noch einige interessante Begegnungen ;-)

Viel ist passiert, auch in meinem Kopf... besonders dort. Reisen öffnet den Geist und erweitert den Horizont, sagt man ja so schön. Vielleicht haben sich ja sogar ein paar Möglichkeiten in die ein oder andere Richtung ergeben. Schliesslich muss ich in ein paar Wochen entscheiden in welche Richtung mein weiteres (Berufs)leben gehen soll. Viel Input, den ich nicht mal eben in 3 Minuten verarbeiten kann.

Ich hoffe der ein oder andere hilft mir vielleicht dabei, vielleicht bei nem Bier oder nem Glas Wein, auf meinem Balkon, die nächsten Tage. Ne Ladung Seemannsgarn und Abenteuergeschichten gibts extra dazu :-)

Freue mich doch schon sehr auf Freunde und Familie!

Würde ich es nochmal tun? Ja, sofort, und immer wieder! Auch über den Ozean? Ja, aber nicht sofort, ich backe lieber auf kleineren Gewässern erstmal kleinere Brötchen und sammle mehr eigene Segelerfahrung.

Wie war es so insgesamt, ein kleines Resumee? Großartig, fantastisch, aufregend, witzig, teilweise chaotisch, anstrengend... extrem anstrengend, unberechenbar.... und wunderschön.

Was war das Beste an der Reise? Nicht die Orte an die ich gereist bin... die waren (und sind) sicher toll. Aber sie werden auch in meinen Gedanken erst zu dem was sie sind durch die Menschen die ich dort getroffen habe. Reisen heißt Menschen begegnen.

Ich hatte das große Glück vielen tollen, fantastischen, freundlichen wunderbaren Menschen zu begegnen.

Deshalb (ohne Anspruch auf Vollständigkeit)

Danke! Mely, Thomas, Patricia, Mousa, Russell, Martin, Aurora, Xavier, Carla, Joao, Ariadna, Elke, Christiano, Pedro, Wina, Kristin, Cristian, Hanna, Chris... plus viele namenlose... und wer weiß wen ich heute noch treffe.

Natürlich, der größte Dank an meine Mitsegler, Ralf, Hinrich und Björn, die mir (Atlantik-Rookie) die Möglichkeit gegeben haben mitzukommen und mit großer Souveränität, viel Erfahrung und auch manchmal Nachsicht mir gegenüber, uns und die Miri sicher über den Teich gebracht haben.

Sooo, damit das jetzt nicht alles klingt wie nen Abgesang... ich verspreche, da kommt noch was, es gibt ordentlich Nachschlag.

Ich muss jetzt erstmal die Flasche spanischen Rotweins, die gestern im Zuge der Ankunft in Barcelona, in Zusammenarbeit mit Chris und Hanna auf dem Balkon "verschwunden" ist, aus meinem Kopf spülen. Und dann gehts ab in die City.

Last but not least!

BARCELONA!!! :-)

10Juni
2014

Land in Sicht

23.05.2014

 

Aufstehen aufgrund von Boat-Lag nach 2,5 Stunden Schlaf. Wir liefen die ganze Nacht gut unter Segel, auch jetzt am Morgen läufts wie geschmiert, trotz Leichtwind. Unglaublich welche Segeleigenschaften dieses Boot hat.

8:21 Uhr "LAND IN SICHT"

Alles grau am Himmel und am Horizont, so hatten wir uns das nicht vorgestellt... Man braucht schon ein wenig Phantasie und gute Augen, aber da Björn und ich es beide gleichzeitig bemerken, muss es sich bei dem unscheinbaren grauen Streifen in der Wolke am Horizont um eine Küste handeln. Laut GPS noch knapp 30 Meilen, das sind über 50 km, kann das sein? Lieber 3 mal durchs Fernglas schauen, als den Rest der schlafenden Crew wegen einer Regenwolke am Horizont aufwecken. Aber wir sind uns jetzt sicher.

Hinrich glaubt uns nicht richtig, scheint enttäuscht, geht wieder unter Deck, weiterschlafen. Ralf wecken wir gar nicht erst. 2 Stunden später sieht man es dann schon sehr deutlich. Alle an Deck, Kaffee, letztes Frühstück als CEB auf der Miri, heute mal ganz einfach... Cracker mit Wurst und Frischkäse, Brot haben wir schon lange nicht mehr, backen wollte niemand mit diesem Ofen. Wird Zeit das wir ankommen... Mein Deo ist ausserdem seit gestern alle, das unterstreicht die Ankunfts-Notwendigkeit nur noch mehr.

So langsam sind alle hellwach und wir celebrieren als wären wir die Entdecker Europas. Kolumbus, nur andersrum. Die Atlantiküberquerung geht jetzt binnen Stunden ihrem Ende entgegen. Wir schmieden Pläne, Steak bei Peter im Cafe Sport, dazu Gin Tonic, oder doch besser Bier... warum eigentlich nicht beides? Beides! Das war einfach.

Vor uns erstrecken sich Pico und Faial.

 

Während Pico mit seinem über 2300m hohen gleichnamigen Berg weiter vor uns bleibt, haben wir Faial an Backbord bis wir in Horta einlaufen. Zeit für ein paar Fotos, trotz mieser Sichtverhältnisse.

14:00 Uhr UTC (ca.)

LANDFALL IN HORTA

 

We made it!

Reisezeit: 16 Tage und 4 Stunden

2530 Seemeilen auf der Logge

6,5 Knoten im Schnitt

Ich könnte jetzt sicher eine Menge Zahlen aufreihen (zum Besipiel das wir in der Zeit 120 Eier verbraucht haben... o0 ^^ darf man auch nicht seinem Hausarzt erzählen).

Das Erlebnis, dieses Abenteuer, kann man aber nicht in Zahlen, auch nur schwer in Worten beschreiben. Die Bandbreite an Emotionen ist so gigantisch abwechslungsreich wie der große, blaue Teich selbst. Das Meer sieht obwohl es ja immer das gleiche ist, jeden Tag anders aus, mal wild, mal romantisch, mal schön... und hin und wieder zeigt es einem richtig die Zähne.

Ebenso seltsam wie wohltuend ist das Gefühl wieder festen Boden unter die Füße zu bekommen. Ich stolpere mit 2 Kanistern in der Hand Richtung Tankstelle (3m neben dem Boot). Fühlt sich an wie betrunken sein. Schönes betrunken sein.

Björn reicht mir einen Zettel. Kommt aus der Rezeption. Eine Yacht, die „Cheeky Rafiki“ wird vermisst, letzte Bekannte Position war 300 Seemeilen nördlich von uns, zeitgleich mit uns in „Unserem Tief“, also da wo es wohl richtig übel gewesen sein muss. Womöglich nur Blitzschlag und Ausfall der Funkanlage und Bordelektronik, niemand weiß es... hoffen wir das Beste. Allerdings gibt es unserer Euphorie erstmal einen Dämpfer. Hoffentlich gehts der Besatzung gut!

Wir liegen im Päckchen mit ein paar lustigen Schweizern und einem Norweger. Hier findet man darüber hinaus Briten, Schweden, Deutsche, Franzosen, Iren, Amerikaner... eigentlich alles. Horta ist DER Anlaufhafen für internationale Fahrtensegler. Ein Flair wie vermutlich nirgendwo sonst auf der Welt. Fast jeder hier hat den großen Schlag über den Ozean grad hinter sich, manch einer auch mehr. Da kann man viel klönen und Seemannsgarn austauschen. Herrlich. J

Am Abend gehts dann wie geplant zu Peter, ein MUSS.

Und dann passierts, das erste Bier steht vor mir auf dem Tisch, ich sitze, um mich rum 4 feste Wände, ein geschlossener Raum, der sich nicht bewegt. Ich entschuldige mich mal eben... muss vor die Tür, kurz mal Luft holen. Verdammt! 17 Tage auf dem Atlantik und kaum ne Spur von Seekrankheit... 3 Minuten in ner Kneipe und mir dreht sich alles (Anmerkung: BEVOR ich das Bier angefasst hab!)... Landkrankheit. Luft holen hilft aber und so kann ich danach auch das Cafe Sport gnießen. Ein bisschen komisch ist mir aber trotzdem noch.

 

Das Steak bei Peter ist einfach ne Wucht, genau das was wir uns jezt gewünscht haben, wir werden nicht enttäuscht. Glücklich vollgefuttert und angeschwippst gehts dann zurück zum Boot. Dort gibts noch nen Absacker. Wir alle versuchen ins Internet der Marina zu kommen, kaum einer schafft es stabil für länger als 2 Minuten. Erst schläft Hinrich im sitzen ein, dann beinahe ich... Zeit für die Koje. Nach der inneren Uhr sind wir jetzt ca. 22 Stunden auf den Beinen. Es schaukelt nicht mehr... irgendwie fehlt mir mein Trampolin-Bett, aber erholsamer ist es trotzdem ohne :-)

10Juni
2014

Flaute – Die Zweite

20.05.-22.05.2014

 

Wir können zwar deutlich länger segeln als der Wetterbericht eigentlich hergibt, aber irgendwann geht uns einfach der Wind aus... Willkommen im Azorenhoch. Vorsichtig motoren, Sprit sparen. Bordroutine... Wir haben mittlerweile jeden Tag Delphine die uns begleiten, Björn hatte sogar das Glück eine Riesenschildkröte zu sehen. Manch einer hat auch schon den Blas und die Flosse eines Wals gesehen.. ich noch nicht, leider.

Um die Azoren haben viele Arten ihre Kinderstube oder ziehen hier durch. Deshalb haben wir berechtigte Hoffnungen auf eine Sichtung der faszinierenden Ozeanriesen. Aber womöglich ist das schnarren und knattern von Miris grad laufendem Diesel nicht so attraktiv. Sie bleiben fern. Wir putzen das Boot, dafür ist die Flaute ideal. Auch für Körperpflege, die hat im Tief nämlich auch gelitten... 4 Anläufe braucht es bis meine Haare das Shampoo überhaupt annehmen. Die ersten 2 Durchgänge kam nur salzige Suppe runter, nichtmal Schaum..

News aus dem Maschinenraum... Der Keilriemen quietscht, das hat er hin und wieder zwar schonmal gemacht, aber jetzt verschwindet es nicht mehr. Bedeutet der Riemen rutscht durch. Wechseln oder Nachspannen. Ein Wechsel wäre einer Operation die in jedem Fall länger dauert und auch komplizierter ist. (und die den Qualifikationen nach den vermutlich ich machen müsste) Also Nachspannen, das ist auch schon eine kleine Aktion die Ralf und mich eine Weile beschäftigt. Viel Reserve bietet der Riemen allerdings nicht mehr. Aber es reicht, das Quietschen verschwindet, Lichtmaschine läuft. Damit kommen wir auf alle Fälle bis in die Azoren. Wir hoffen immernoch das der Wind uns schnell wiederfindet und wir am Abend des 22.05. ankommen, aber rechnerisch realisitsch ist wohl eher der 23.05.

Wenn der Diesel reicht und kein Wunder passiert, bin ich mit meinem Gewinnspiel-Tipp raus aus dem Rennen. Wahrscheinlich enen Tag daneben... nicht schlecht, aber nicht gut genug... wir werden sehen wer es am Ende macht. Am Nachmittag reicht der Wind zum guten Segeln, hält sich sogar bis in die Abendstunden.

A propos Rennen... ein 80 Fuß Segler, parallel zu uns segelnd, will es mit uns aufnehmen. Wir können ihn am Horizont sehen (Foto), reden will er irgendwie nicht mit uns, sehr kurz angebunden im Funkverkehr. Ehrgeiz oder Frust? Wir können ihn im AIS sehen, auch wie schnell er ist ;-) Miri schlägt sich Wacker, grad mal ein halber Knoten Unterschied! In der Nacht kein Wind... er zieht uns davon, hat offenbar mehr im Tank als wir. Die Segeletappen des heutigen Tages haben bei uns aber Sprit gespart. Die Frage ist nun vielmehr wann wir ankommen und nicht ob. Wir sollten hinkommen mit dem was an Diesel übrig ist.

Also, bald wieder fester Boden... unglaublich. Als wir losgefahren sind, war es völlig unvorstellbar das der unendlich scheinende Ozean überhaupt überquert werden kann. Zumindest fühlt er sich, einfach riesig und wider besseren Wissens, unendlich an. Nun ist es also fast schon vorbei, das Abenteuer Atlantik. Irgendwie traurig, allerdings überwiegt dann doch eher die Vorfreude auf die bald bevorstehende Ankunft, bei allen. Wir fiebern Horta entgegen. Wieder haben Björn und ich die 20-23 und die 5-8 Uhr Schicht. Knapp 70 Seemeilen noch, sagt das GPS am Abend. Damit dürfte „Land in Sicht“ während unserer Schicht sein. Ein bisschen aufregend :-) Hinrichs Ankunfts-Tipp ist mit dem heutigen Tag auch flöten... auch nah dran.

Bis jetzt haben wir in „Miri-Zeit“ gelebt, bis auf eine Stunde haben wir keine weitere Anpassung unserer Uhren vorgenommen um den Zeitunterschied zwischen Karibik und Azoren zu kompensieren. Sonnenaufgang also gegen 4 Uhr, Untergang gegen 20 Uhr... Das holen wir jetzt auf einen Schlag nach... 3 Stunden! Die Bordroutine wird ein wenig durcheinandergewürfelt... Kein Jet-Lag, mehr ein „Boat-Lag“. Abendessen jetzt auf 23 Uhr.

10Juni
2014

Morgenstund hat Wind im Mund

19.05.2014

 

Kurz nach 5 Uhr, müde bin ich sowieso, sind wir alle, interessiert auch niemanden. Es ist schon hell(grau) draussen und auf die Luke im Vorschiff prasselt ganz leise der Regen... gaaanz kontinuierlich. Was mache ich hier eigentlich? Die Frage darf hier ruhig gestellt werden. Es ist der Moment auf dieser Reise in dem ich mich das zum ersten Mal ernsthaft frage. Warum das alles?... ist doch völlig bescheuert das Ganze!

Meine Sachen sind, wie die der anderen auch, klamm. Wetter: Scheisse! Ich will schlafen, nicht raus ins Graue und Kalte. Nichtmal Wind, also heißt das einfach sich 3 Stunden vollregnen lassen ohne Segelspaß... Atlantiksegeln ist doch Mist! Aber das ist hier kein Wunschkonzert, also widerwillig ins Ölzeug geschlüpft und draussen ein bisschen Smalltalk mit Björn halten. Den Kaffee dazu braucht er genauso wie ich. Er ist von den Bedingungen genausowenig angetan, aber so ist Segeln nunmal... man muss damit leben was man bekommt. Der Wind ist jetzt aus eher östlicher Richtung drehend, passt nicht zum Kurs den wir brauchen. Schliesslich kommt er so sehr von vorn, dass wir beschliessen die Genua einzurollen (Groß immernoch geborgen) und mit Motor zu fahren. Dann wird es windstill... wir scheinen im Auge eines Tiefs zu sein.

Es dauert... Langsam stabilisiert sich das Ganze und der Wind weht schwach, aber kommt wieder klar aus einer Richtung. Also Motor aus, Genua raus... das blöde Ding klemmt. Mist was ist denn jetzt los? Der Wind frischt auf, von 8 auf 37 Knoten in nicht ganz 3 Minuten. Die Schot kommt frei, viel zuviel Druck, sie rauscht aus. Nicht schlimm, wir fangen sie wieder ein und nehmen sie direkt ins 2 Reff. Jetzt kochts hier plötzlich hier draussen. Was ist das nur für ein Wetter??? Wo kommt das so schnell her? Verdammte Axt!

Wir sind jetzt offensichtilich in die Front des Tiefs, in dessen Auge wir wohl 3 Minuten vorher waren, reingefahren. Der Wind bleibt im Mittel bei knapp 30 Knoten, die Wellen pegeln sich ebenfalls binnen Minuten auf standesgemäßer Höhe von 4-5m ein. Es rumpelt auch wieder während Miri durch die Wellen stiebt, Kurs, hart am Wind. Hinrich, offenbar geweckt, kommt an Deck und beschwert sich. Wieviel Segel wir denn da stehen hätten? Björn und ich deuten auf das zusammengereffte Taschentuch. Hinrichs schaut nicht schlecht, auch er ist ein wenig verwundert.

Von Müdigkeit ist bei uns keine Spur mehr, hellwach sind wir an Deck. Wir segeln richtig ordentlich, jetzt machts wieder mehr Spaß und die Zweifel sind vergessen. Die graue Suppe ist auch aufgerissen und man sieht sogar mal kurz die Sonne durchblinzeln. Dabei bleibt es praktisch dann den Rest des Tages, auch wenn wir etwas Wind verlieren. Die nächste Flaute, das Azorenhoch, naht bereits, so lesen es Ralf und Hinrich aus den Wetterdaten. Wenn sie uns zu früh trifft, bekommen wir echt nen Problem mit dem verbleibenden Sprit. Denn dann wird es nicht reichen und wir müssten nachdem wir 95% der Reise geschafft haben, vor den Azoren anfangen zu dümpeln auf Wind warten. Also lieber Wind, bleib doch noch ein bisschen, aber nicht so doll. Am Abend E-Mail gen Heimat, zur Landüberwachungseinheit... noch 750 Meilen abreissen, dann haben wirs gepackt. GO MIRI

10Juni
2014

Flipper in der Bugwelle

18.05.2014

 

Das Wetter hat sich etwas beruhigt als Björn und ich unsere Morgenwache antreten. Das schöne an der Wache von 2-5 Uhr ist das man den Sonnenaufgang live miterlebt, und der ist heute gar nicht übel.

Der Wind hat mittlerweile soweit auf Süd gedreht, dass wir wieder auf dem anderen Bug, also Backbord liegen. Heißt für mich wieder auf der Luv-Seite schlafen (och nööö....). Etwas beruhigt heißt auch nur das es nicht dauernd von oben kübelt. Der Wind bläst immernoch gut kräftig. Wir fahren immernoch nur mit der Genua draussen und machen trotzdem locker unsere 7,x bis 8,x Knoten Fahrt. Das Tief bringt uns wenigstens zügig voran.

Der Wind läßt am Tage doch merklich nach, eine Gelegenheit die Ralf (wohlgemerkt mitten auf dem Atlantik) nutzen will um einen kleinen Tauchgang zu unternehmen. Der Tampen in der Schraube und der daraus resultierende Ausfall der Maschine bereiten Bauchweh, also raus mit dem Teil. Alle sind an der Aktion beteiligt, Ralf als Hauptakteur, mutig, im Wasser, mit immernoch Restdünung. Wir anderen 3 unterstützen und sichern ihn von Bord aus. Keine 20 meter entfernt beobachten 2 Delphine, springend, die Szenerie. Vielleicht lachen sie uns ja auch ein bisschen aus? Wer weiß das schon? Nach einer guten halben Stunde ist es geschafft, der Tampen ist raus und Ralf wieder auf dem Schiff. Ein bisschen blau ist er jetzt. Nicht vor Kälte, das Wasser ist warm. Der Anstrich des Unterwasserschiffs färbt extrem ab... durfte ich beim „putzen von unten“ in der Karibik auch schon feststellen. Alle sind sehr erleichtert. Wir haben unseren Antrieb zurück!

Am Nachmittag dann die Sensation, wir sehen nach 10 Tagen allein, wieder mal ein Schiff. Eine Segelyacht! Hinrich nimmt euphorisch Funkkontakt auf und läßt all seinen Charme spielen. Weibliche Besatzung aus Holland! Auch denen hat das Tief ganz ordentlich zugesetzt... Unmissverständlich wird aber klargestellt wer hier auf dem Wasser die Hosen anhat, schliesslich sind SIE das Boot HINTER uns und wir laufen 3 Knoten mehr Fahrt als sie. :-) Wer lang hat kann eben auch lang (raus)hängen lassen. Schliesslich sind 48 Fuß mehr als 39 (Bootslänge natürlich...) Selbstbewusstsein zeigen zieht, und so ist das „Blind Date“ der Besatzungen von „Miri“ und „Mirus“ in Horta beschlossene Sache. Da wir natürlich schneller sind, bringen wir dann, ganz gentlemen-like, das „Welcome Beer“, bereits gekühlt, bei deren Ankunft vorbei. Mal sehen ob das was wird. Auf jeden Fall ein schöner Moment nach 10 Tagen allein hier draussen zu merken, dass es noch andere Menschen gibt.

Ebenfalls schön ist, dass sich eine Delphinschule (also eine größere Gruppe Delphine) am Abend dazu entschliesst in unserer Bugwelle Spaß zu haben. Schwer zu sagen wieviele es sind, da sich ein Großteil der Gruppe meistens unter Wasser aufhält. Wir zählen bis zu 8 Tieren die mal an Backbord, mal an Steuerbord, auch gleichzeitig, auftauchen und durch die Bugwelle springen. Auf Foto ist das Ganze nur schwer festzuhalten, aber zumindest versuchen wir es.

Nach dem Abendessen schieben dann wieder Björn und ich Wache, dann gehts ab ins Bett, denn um 5 müssen wir ja wieder ran. Die Nacht ist verrückt. Mistwetter, Wetterleuchten, Gewitter, teilweise geht der Wind ganz weg, wir müssen unter Motor laufen. Dann kommt er wieder zurück, Motor wieder aus. Hin und her. Das Wetter ändert sich ständig... Wetterküche Azoren... so weit sind die nicht mehr weg. Hier gibts meteorologisch gesehen, sozusagen, grad nen Leipziger Allerlei. Und weder Fisch noch Fleisch ist das Ganze sowieso. Noch dazu ist es so finster das man die Hand vor Augen nicht sieht... an der Bordwand endet die Welt. Die zuckenden Blitze des Gewitters sind da auch nur bedingt hilfreich.

07Juni
2014

Unser Tief

16.05.-17.05.2014

 

Es sollte besser werden, der Wind weniger... Das Gegenteil tritt ein. Wir bekommen den Wind nicht mehr aus Nord, sondern jetzt eher drehend raum bis achterlich. Ordentlich viel davon, mit Regen. Alles ist nass und durch den hohen Salzanteil trocknen die Sachen auch irgendwie nicht mehr richtig. Also wirds klamm. „Eat sail and sleep“, so würde das generell laufen hat Björn bei Abreise in St. Martin zu mir gemeint. An dem Punkt sind wir nun definitiv angekommen, auch wenn das mit dem Schlafen keine Sache des Faulenzens oder Erholens, sondern einfach pure Erschöpfung ist. Wind 35 Knoten mit Schauerböen. Von Wetterbesserung keine Spur. „Unser Tief“ teilt ordentlich aus und läßt die Muskeln spielen. Die Windrichtung ist aber gut, Miri kann die Böen sauber ablaufen, auch die von 54 Knoten (Windstärke 11 Beaufort!). Das Groß ist mittlerweile geborgen, die Genua 3-fach gerefft, also nunmehr ein größeres Taschentuch ist noch draussen. Das Speedometer zeigt Geschwindigkeiten von 10, teilweise 11 Knoten und mehr. Wem das jetzt alles nix sagt... DAS ist verflucht schnell und verflucht viel Wind. Ich gestehe offen das ich mich dann doch lieber unter Deck aufgehalten hab. Das Steuern möchte ich hier in diesen Bedingungen auch lieber den Profis überlassen. Vielmehr versuche ich mich so gut es geht um das leibliche Wohl, sofern das noch möglich ist zu kümmern. Frühstück, kleine Snacks oder mal ein Kaffee für den Steuermann, der grad halbdurchnässt 2 Stunden versucht hat zu schlafen, bevor er wieder raus muss. Hört sich vielleicht komisch an, aber auch der „Dienst“ in einer schaukeligen Kombüse ist in diesen Bedingungen übel anstrengend. Allen ist die Müdigkeit und Erschöpfung ins Gesicht geschrieben. Hoffentlich wirds nicht noch übler und "Unser Tief" kommt mal langsam zur Raison. So wird das sonst nix mit der schönen entspannten Segelei...

 

(Fotos: Hinrichs und meine gemischt)

 

Hier noch ein Schmunzler für Loriot Fans:

(Für diejenigen die es nicht kennen, bei Youtube mal "Loriot - Bild hängt schief" eingeben ;-)

07Juni
2014

Maschine halt!

14.05.-15.05.2014

 

Aktuelle Wetterlage: Das Tief bewegt sich nicht! Normal sollten die blöden Dinger durchziehen und einen mitnehmen. Unseres hat sich aber gemütlich eingerichtet um für uns ungemütlich zu sein. Also heißt es für uns am Rand entlang segeln. Zunächst bedeutet das, da wir aus Westen kommen und nach Osten wollen, das wir auf die Rückseite (die kalte Seite) stoßen. Mit kurzer Hose ist jetzt nix mehr. Auch Braun auf der Haut bekommt man jetzt höchstens noch bei dem Versuch sich das letzte verbliebene Brot bei 7 Windstärken mit Nutella zu bestreichen. Bettzeug wird aufgestockt. Es ist nicht übertrieben klirrend kalt, aber einfach ziemlich ungemütlich. Draussen haben wir jetzt das Ölzeug immer an.

Noch dazu hat der Wind jetzt gut aufgefrischt. Er kommt aus Nord, wie auf dieser Seite eines Tiefs üblich. Im Mittel gute 25 Knoten, Groß und Genua sind eingerefft. Die See baut sich auch langsam auf, 4m Wellen gehen jetzt als Standard durch, die ein oder andere größere ist auch mal darunter. Auf dem Atlantik kommen die Wellen aber sehr lang, kein Vergleich zur Ostsee. So fährt man den blauen Berg auf der einen Seite rauf und auf der anderen wieder runter, gar nicht so schlimm. Trotzdem geht entspannt anders.

Das einzige was sich entspannt ist meine Schlafsituation... Obwohl es den ein oder anderen ordentlichen Einschlag gibt da vorne im Bug, kann ich besser schlafen. Wir liegen jetzt auf dem anderen Bug, also liege ich auf Lee. Die Bordwand in der ich praktisch liege, ersetzt jetzt das Schlafsegel und das ist irgendwie gefühlt deutlich angenehmer.

Am 15.05. haben wir dann Bergfest, also die Hälfte des Trips ist rum... wieder sitzt Ralf auf dem Champagner. Allerdings wollen Björn und ich dann doch keinen weiteren Kohleklumpen produzieren. Es wird nicht gefeiert, bei dem Wetter ist auch niemandem zum Feiern zumute. Ist jetzt gut Musik hier draussen. Wellen um 5m und mehr. Sieger des Tages ist die freche Welle von „bestimmt 8m“ die einschlägt. Segeln in solchen Bedingungen ist, kurz gesagt, einfach anstrengend. Jede Bewegung auch unter Deck will wohlüberlegt sein und kostet Kraft. Essen zubereiten, Frühstück machen... dauert ewig, kostet Kraft. In dem was von den Segeln noch steht und nicht weggerefft ist, ist ordentlich Zug, im Schiff ordentlich Lage. An Deck nur noch Rettungsweste und Lifebelt, eingepickt.

Nachts kommts dann richtig dick, man möchte meinen die Situation bedarf allein wegen des Wetters keiner weiteren Dramaturgie. Doch der Drehbuchautor für unseren Trip denkt wohl anders. Björn und ich haben Wache, es ist gegen Mitternacht. Der Wind dreht wieder auf. Wir beschliessen die Genua weiter zu reffen. Ralf ordnet dann noch eine Kursänderung an... wir machen was man nicht machen sollte, 2 Dinge praktisch gleichzeitig. Irgendwie fahren wir dann eine halbe Wende durch den Wind. Mist! Okay, Wende zurück... schaffen wir nicht. Wir sind so langsam in den Wind gefahren das wir viel Speed verloren haben. Wir sind einfach zu langsam für die Wende zurück auf den anderen Bug unter Segel. „Nimm den Motor!“ kommts vom Skipper, Motor an, Kupplung rein, RUMMS, Antriebswelle steht... „Scheisse! Was jetzt?“ Wir stehen im Wind, waren mittlerweile bei 0,0 kn über Grund auf der Anzeige. Fahren die Welle steil rauf und steil wieder runter. Was nicht heißt das der Motor nicht funktioniert oder man diesen nicht benutzen kann. Es bedeutet aber (ihr erinnert euch vielleicht an den „Schleppgenerator“) das die Propellerleine gerade nach unten hängt, durch das Gewicht des Propellers. Tampen in Schraube/Welle. Keine Maschine mehr. Wir fahren die Wende zurück unter Segel. Kurze Krisensitzung an Deck. Der Propeller ist noch im Wasser, der muss raus! Technisch gesehen funktioniert der ja noch, also dreht sich während der Fahrt, da das Wasser ihn ja anströmt. Wenn der sich „randreht“ ans Schiff, knallt der in die Bordwand und kann vielleicht erheblich Schaden verursachen.

Ralf bekommt 2 Lifebelts angepickt, bevor wir ihn bei den erwähnten Wetterbedingungen, im Scheinwerferlicht, auf die ausgeklappte Badeleiter herablassen. Meine Fresse, das braucht Eier (und zwar mehr als was von den 120 an Bord gebunkerten noch übrig ist). Mit dem Fanghaken erwischt er dann schließlich auf einer Welle den Tampen und kann den Propeller hochziehen. Der Tampen wird gekappt, Propeller an Deck. Die Schraube in diesen Bedingungen frei zu bekommen, unmöglich. Puuuuuh. Oh man... Ich bin ja auch kein Freund von Langeweile, aber irgendwie war das doch mehr Action als wir auf der Wache eigentlich haben wollten.

Zusammenfassung: Gefahrenquelle beseitigt, Strom können wir noch produzieren. Tampen in Schraube. Das Einzige was wirklich Bauchschmerzen bereitet, ist der Fakt das wir keine Maschine einsetzen können. Bei dem Wind ist das nicht schlimm für die Reisegeschwindigkeit, da wir ja unter Segel sind. Aber auch jede Form von Notmanöver, wie Mann-Über-Bord können wir nicht schnell unter Maschine fahren. Wenn jetzt was derartiges passiert, brauch ich glaub ich nicht auszuführen wie die Chancen auf Rettung in diesen Bedingungen aussehen würden...

(Fotos Hinrich)

    

07Juni
2014

1000 mile crumble

13.05.2014

 

Sonnenaufgang, Immernoch flautig...

(Fotos: Hinrich, der hatte da grad Wache ;-) )

Nach der ereignislosen Nacht darf ich, wie immer gegen 11 Uhr, meinen Titel als CEB rechtfertigen. Funktioniert auch ganz gut. Wir warten auf „unser Tief“, welches uns den Wind für die Fahrt Richtung Azoren bringen soll. Auf den Wetterkarten bahnt sich da auch was an, bald sollten wir was merken. Ein Kurs südlich des 33 Breitengrads soll es werden, nur nicht zu weit nördlich, da könnte es dicke kommen, weiter südlich könnte zuwenig Wind sein. Ein bisschen Vorhalten ist okay, so kann man immernoch vor dem Sturm ablaufen wenn es dann zu heftig werden sollte. Trotz allem eine Gratwanderung. Niemand weiß was „unser Tief“ wie es ab jetzt heißt und auch so als Wegpunkt im GPS abgespeichert ist, für uns so bereithält. Deshalb steht nach dem Frühstück ein probeweise Anschlagen des Tri-Segels (Sturmsegel, kommt dahin wo das Großsegel steht) auf dem Programm. Hier kann man nämlich doch einige Fehler machen. Die mögen sich recht einfach beheben lassen im Test in der Flaute, aber so ein Segel zieht man nur hoch wenns da draussen richtig kracht.... bei vielleicht 10 Windstärken und 8-10m See. Da ist der Raum für Fehler doch deutlich kleiner und die Behebung der Probleme dann auch deutlich schwieriger.

Probeanschlag verläuft gut, jeder weiß jetzt um die Fehlerquellen und was er im Ernstfall zu tun hat, sollten wir das Segel brauchen. Hoffen wir mal das es soweit nicht kommt.

Am Nachmittag stellen wir fest, das 1000 Seemeilen im Logbuch stehen... tanzende Mädels an Stangen konnten wir leider nicht zur Feier des Tages einfliegen lassen. Ralf will auch den Champagner, den wir kistenweise, in den Staufächern unter seiner Koje gelagert vermuten, einfach nicht rausrücken. Andere Maßnahmen zur Feier der erfolgreichen ersten 40% der Reise müssen getroffen werden. Nach kurzem Rundgang durch alle Proviantfächer schlage ich Björn vor, das wir einen Kirsch-Quark-Kuchen backen könnten, dafür haben wir eigentlich alles da (naja, auf dem Schiff ist grundsätzlich nie alles da, aber es wird immer improvisiert ;-) )

90 Minuten und einen beinahe Großbrand später ist der „1000 mile crumble“ oder „no-coal-crumble“, wie Hinrich die matschige Quark-Teig-Kirsch-Schlagsahne-Masse in seinem Schälchen bezeichnet, fertig. Ein bisschen zuviel Butter war vielleicht im Teig, okay... ein bisschen davon hat dann vielleicht Feuer gefangen, auch okay... Zumindest wissen wir jetzt, dass der Ofen mit seiner nicht regelbaren Ober- und Unterhitze tricky ist beim backen. Wird spannend wenn uns dann das Brot ausgeht, was nicht mehr lange dauern wird. Bereits jetzt wird jede 2. Scheibe an die Fische verfüttert. Weniger aus Großzügigkeit, mehr dem Umstand geschuldet das es einfach schimmelt.

Ralf muss abwaschen, auch die Kuchenform... nun bereut er den Presslufthammer nicht ins Bordwerkzeug gepackt zu haben.

Langsam machen wir uns Sorgen um den Wind, der einfach nicht kommt und um den Diesel, der einfach immer weniger wird. Gegen 18 Uhr probieren wir es dann mal mit dem Segeln, vielleicht reicht es ja schon. Und tatsächlich, wir kommen voran! Nicht schnell, aber dafür ohne Motor!

Am Abend gebe ich als letzter in der Runde meinen Tipp ab, für die Ankunftszeit in Horta. Rien ne va plus, die Einsätze sind gemacht. Wenn es nach mir geht sind wir ein etwas weniger als 11 Tagen da :-)

In der Nacht steigert sich der Wind stetig und so gleiten wir bei Vollmond mit 4-5 Knoten übers Wasser. Irre wie hell es hier draussen auch mitten in der Nacht sein kann. Moonlight-Photography auf dem Ozean.

04Juni
2014

Flaute - Waschtag auf der Miri

11.05.-12.05.2014

 

Der 11.05. bietet noch einigermaßen Wind... immernoch nicht aus der gewünschten südöstlichen Richtung, aber immerhin hat er sich erbarmt und dreht jetzt eher auf östlich. So können wir, immernoch am Wind liegend, weiter Richtung Osten einschwenken. Der gesetzte Wegpunkt östlich der Bermudas wird damit realistisch erreichbar, bislang dachten wir ja eher das wir daran vorbei segeln würden, zwischenzeitlich hatten wir sogar Kurs nördlich auf New York anliegen... auch ne schöne Stadt, aber irgendwie so gar nicht im Plan. So langsam würden wir uns (denke da kann ich beruhigt für alle sprechen) einen Kurs mit weniger „Lage“ (also gemeint ist die Schräglage) wünschen. Der Schlaf auf der Luv-Seite, in meinem Schlafsegel, ist ein reines Produkt körperlicher Erschöpfung und aufgebauten Schlafdefizits. In den ersten 3 Nächten habe ich zusammengefasst geschätzt etwa 8 Stunden geschlafen. Es geht zwar jede Nacht besser mit dem Einschlafen (sicher weil die Müdigkeit nicht weniger wird) aber mal ohne Trampolineffekt die Augen zumachen wär mal was.

Als wenn die Wünsche erhört wurden, lässt der Wind in der Nacht zum 12.05. nach... bis er völlig einschläft. Der Volvo (Motor) muss ran. Wir haben die Passatwindzone verlassen und befinden uns gemäß Lehrbuch und Wetterbericht in der Flaute der Sargasso-See.

Schlecht für den Dieselverbrauch... so eine Flaute hat allerdings doch so einige Vorteile. Zum einen kann mit dem Motor, in Kombination mit einem angeschlossen Wasseraufbereiter, Trinkwasser aus dem Atlantik gewonnen werden, um die Vorräte an Bord zu ergänzen und aufzufüllen. Zum anderen lädt der Motor auch die Batterien und produziert Strom. Abgesehen von diesen doch eher elementaren Dingen, kann man waschen. Als erstes durch den Skipper angeordnet sich selbst, in Form einer Dusche (mhhhh... himmlisch, Wasser hat sich selten so gut angefühlt) und zum anderen Wäsche, denn so manch einem der vorher durch die Karibik getrampt ist, gehen hier sonst bald T-Shirts und Unterhosen aus. ;-)

Waschsalon Miri hat also geöffnet, könnte man sagen.

Durch die Flaute ist auch die Lage aus dem Schiff, so kommt der Vorschlag das ich doch mal die Küche übernehmen und mich ums Frühstück kümmern könnte. Da ich einem Vergleich mit 3-Sterne Smut Konrad und Talent-Koch Björn im a la carte Geschäft der Abendkombüse bisher (glücklicherweise) aus dem Weg gehen konnte, kann ich hier ja vielleicht erstmal ein kulinarisches Achtungszeichen setzen. Nach opulentem Salonfrühstück mit GERÖSTETEM Brot, Ei und reichlich Auswahl an Leckereien wie selbstgemachter Avocadocreme und einer Mangojoghurtcreme, scheint dies geglückt. Hinrich ernennt mich umgehend zum Frühstücksdirektor. Der Titel wirkt, gemessen an heute üblichen Business-English Standards doch eher profan. Ich erbitte also einen mächtig klingenden, nichtssagenden Titel und werde prompt zum CEB (Chief Executive Breakfast) ernannt. Viel besser! Das ist doch mal was für den Lebenslauf ;-)

Natürlich hoffen wir, dass wir, trotz aller Annehmlichkeiten der Flaute, soviel wie möglich der verbleibenden 1600 Seemeilen unter Segel zurücklegen werden, aber wer weiß schon wie lange der Wind braucht um sich zu berappeln?

Den Nachmittag nutzt jeder wie er lustig ist, lesen, schwatzen, die Sonne genießen (endlich wieder kurze Hose!!!) oder ausnutzen der elektrischen Versorgung am Laptop...

Bilder sortieren und mal ein paar Gedanken aufschreiben als Gedächtnisstütze für später. Auf dem Wasser lassen sich jetzt vermehrt „Portugiesische Galeeren“ entdecken. Diesem recht unscheinbaren Polypen, sollte man besser nicht im Wasser begegnen. Seine bis zu 20m lange Tentakel enthält Nesselzellen die giftig und bei Kontakt äußerst schmerzhaft sind. Sogar von tödlichen Begegnungen (und ich meine nicht für die Galeere!) wurde schon berichtet. Auch sie stellen ihr „Segel“ auf und versuchen vorwärts zu kommen, wie wir. Aber auch ihnen scheint der Wind nicht zu reichen.

Die Nacht bringt keine wirkliche Veränderung und so dieseln wir weiter vor uns hin während Wache um Wache verstreicht...

03Juni
2014

4 Tage hart am Wind

 09.05.-10.05.2014

 

Die von Ralf veranschlagten 3 Tage sind rum. Ich habe nichts von meinem Mageninhalt der See übergeben oder anderweitige Opfer an Neptun dargebracht... Allen an Bord gehts prima. Den ein oder anderen flauen Moment hat es bei dem Ein oder Anderen sicher mal gegeben. Auch erfahrene Segler brauchen hin und wieder ihre „Rezepte“ um der Seekrankheit ein Schnippchen zu schlagen. Ich würde mich selbst nicht als erfahren bezeichnen, aber zumindest weiß ich, wann ich unter Deck und wann lieber über Deck bleibe. Am dritten Tag, weigere ich mich daher unter Deck den Abwasch nach dem Frühstück zu machen... das hätte sonst definitiv in einer unappetitlichen Sauerei mit größerer Putzeinlage gegipfelt. Die Wellen erreichen schon gut 2 Meter, kommen aber noch nicht in der typischen Atlantiklänge, sondern steiler und kürzer. Das Ganze ist dann doch eher als unangenehm zu bezeichnen und sorgt dafür das ich mich lieber über Deck mit Blick auf den Horizont aufhalte. Insgesamt passiert aber an diesem und auch am nächsten Tag nichts Weltbewegendes. Jeder findet sich so langsam in seine Bordroutine. Ich darf auch mal ein längeres Stück steuern und mache meine ersten Erfahrungen mit Wellen und wie man diese abläuft ohne den Kurs dabei völlig aus den Augen zu verlieren. Am Anfang fahre ich durch das selbst-anluven der Miri eher eine große Schlangenlinie in den Atlantik, nach einer Stunde gehts aber schon ganz ordentlich. Die Wachen gestalten sich unspektakulär... kleinere Kurskorrekturen dem Wind angepasst um Höhe zu halten und zu gewinnen, Ein- und Ausreffmanöver, keinerlei Schifffahrt oder andere Beobachtungen. Mond, Sterne und die aufgehende Venus, als Vorbote des kurz darauffolgenden Sonnenaufgangs, sind da die Highlights. Bis zur 4. Wache weigere ich mich innerlich hartnäckig jetzt schon meiner kurzen Hose ade zu sagen, eine Entscheidung die leichtes Frösteln nach sich zieht.

Bald nun kommen wir in die Sargasso-See, mit ihren berüchtigten Flautengebieten. Das wir auf eine Flaute treffen ist so sicher wie das Amen in der Kirche und auch durchaus einkalkuliert, nur zu lang darf sie nicht werden, da die Dieselvorräte begrenzt sind... sehr begrenzt. Wir können maximal 4 Tage unter Motor fahren, dann muss einer raus und schieben. Hat sich aber noch kein Freiwilliger gefunden, also muss der Kraftstoff bis zu den Azoren reichen.

 

(Fotos by Hinrich, habe mich nicht getraut meine Kamera in diesen Bedingungen auszupacken :-) )

Überhaupt will ich heute mal ganz kurz erklären (für diejenigen die es interessiert), was wir hier eigentlich versuchen, rein "strecken-planungs-technisch". Manch Einer hat sich sicher schon gefragt warum wir so komische Schlangenlinien mit unserer Route auf der Satelitenkarte hinterlassen... ;-)

Den Atlantik überqueren wir, okay. Soweit war das ja auch schon bekannt. Das kann man sicherlich versuchen mit „einfach mal lossegeln“ ist allerdings eher die weniger empfehlenswerte Variante. Bereits vor vielen Jahrhunderten begannen die Seefahrer, seien es nun spanische, britische, holländische, portugiesische, oder woher auch immer Stammende, ihre Erkenntnisse über Strömungen und vorherrschende Winde niederzuschreiben und ihre Routen über die Weltmeere zu dokumentieren. Dieses Wissen ist auch heute noch von Vorteil. Noch dazu wird es heute kombiniert mit modernen Navigations- und Kommunikationsmitteln, zur genauen Bestimmung von Kurs und Position, sowie detailierten Vorhersagen von Wetter und Wind. Trotz alledem bleibt es ein Abenteuer mit vielen unbekannten, variablen Faktoren. Niemand kann genau sagen was für Wetter und Wind wir bekommen, oder was uns auf dieser Überfahrt widerfahren wird, es sind alles Schätzungen... aber es ist das Beste was wir haben, also bauen wir unsere Planungen darauf auf. Gemäß diesen Planungen, ist es vorteilhaft erst einen nordöstlichen Kurs zu wählen, um sich von den zu dieser Jahreszeit vorherrschenden Passatwinden aus Südost, mit halbem Wind im Segel, vorantreiben zu lassen. Etwa 200-300 Seemeilen von den Bermudas entfernt schlägt man dann einen östlichen Kurs ein. Auf diese Art umgeht man einen großen Teil der, bereits von vergangenen Seefahrern, gefürchteten Flautengebiete in der Sargasso-See. Die Zone nördlich des Passats und nördlich der Flaute ist das Gebiet der sogenannten Westwinddrift. Hier ziehen die Tiefs aus Norden kommend durch. Aufgrund der Correoliskraft und der Form der Erde (am Äquator breiter als nördlich bzw. südlich davon) ist die Drehrichtung der Tiefdruckgebiete hier günstig um sich mitziehen zu lassen, Richtung Osten, also da wo wir hinwollen. Schließlich ist unser Zielhafen Horta auf Faial, gelegen in der Zentralgruppe der Azoren. Dort, in den Azoren, sitzt das dem ein oder anderen, vielleicht aus dem Wetterbericht bekannte, Azorenhoch. Da ist tendenziell auch eher weniger Wind, da braucht man einfach etwas Glück und ein bisschen Hilfe der nördlichen Winde. Also der Plan nochma kurz zusammengefasst, erst Richtung Norden/Nordosten, dann abbiegen Richtung Osten, Tief erwischen, mitziehen lassen, immer seicht am Rand des Tíefs, schließlich wollen wir ja nicht auf die Mütze kriegen. Am Ende hoffen das dieses besagte Azorenhoch nicht allzu mächtig ist, festmachen in Horta, Gin Tonic und Steak im Cafe Sport (weltweit berühmte Seglerkneipe), Bild an die Kaimauer in Horta malen (auch das ist eine Tradition der Fahrtensegler die Horta anlaufen), freuen und Spaß haben. Viel Schönes Segeln auf dem Weg dahin.

...Klingt doch wie nen guter Plan, oder nicht? ;-)

 

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